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Ein Besuch im Tierkrematorium in Duggingen |
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Vor einigen Tagen war dies der Fall für eine meiner Freundinnen, die ihr heissgeliebtes Tier nach kurzer, heftiger Krankheit, beim Tierarzt einschläfern lassen musste. Nachdem sie immer davon gesprochen hatte, ihr Tier nicht zusammen mit Hunden, Katzen, Hühnern, Schweinen und anderen toten Tieren zusammen in einer Grossanlage zu Tiermehl verarbeiten zu lassen, fuhren wir zusammen in das nahe Basel gelegene Duggingen, wo eines der modernsten Tierkrematorien Europas steht. Für mich, die ich bisher meine Tiere stets durch den Tierarzt ins Tierkrematorium hatte bringen lassen, war dies das erste Mal, dass ich so eine Oertlichkeit besuchte.
Nun standen wir vor dem relativ kleinen, weissen Gebäude auf dem Parkplatz und blickten mit schweren Herzen hinauf zum Kamin des Krematoriums, wo aber in jenem Moment kein Räuchlein zu sehen war. Herr Casartelli, ein ruhiger und ausgeglichener Mensch mittleren Alters nahm uns in Empfang, nahm meiner Freundin behutsam das Körbchen ab, in welchem der tote Körper des Tierchens lag und ging voran in einen kleinen, hellen und fast etwas wie Gemütlichkeit ausstrahlenden Empfangsraum; in der Ecke stand eine grosse, antike Wanduhr, in einer kleinen Vitrine erblickte ich eine Anzahl verschiedener Gefässe – Tierurnen - auf einem Schreibtisch in einer anderen Ecke stand ein PC – und wir setzten uns zuerst einmal auf ein bequemes Sofa neben der Eingangstür. Herr Casartelli, der wohl den Schmerz und die unterdrückten Tränen meiner Freundin gespürt hatte, begrüsste uns und dann sagte er: „So, nun zeige ich Ihnen den ganzen Betrieb, damit Sie wissen, wie Ihr kleiner Freund eingeäschert wird.“ Und wieder ging er voran, öffnete die Tür zum effektiven Krematorium. Er erzählte uns, wie er seinen in Europa praktisch einzigartigen Kremationsofen zusammen mit einem Zürcher Ingenieur konstruiert hat, der den Ofen nach seinen Ideen gebaut hat, weil kein schweizerischer Ofenbauer das für realistisch hielt. Wir sahen die einzelnen Wannen, die von links und von rechts in den Kremationsofen auf Schienen eingeführt werden können, Wannen, in denen die einzelnen Kremationskavernen je nach Grösse der zu kremierenden Tierkörper angepasst werden können, von der Grösse einer deutschen Dogge bis hin zum Wellensittich. Die Ethik der verstorbenen kleinen Freunde bleibt immer gewahrt. Jeder der Tierkörper hat, wie bei den menschlichen Toten, seinen Begleitschein, der mit einem Magnet aussen auf der Einführungsschiene für die Wanne mit den verschiedenen Tierkörpern hängen bleibt und der jeden Platz in der Wanne genau spezifiziert.
Nach der Kremationszeit wird die Wanne wieder aus dem Kremationsofen ausgefahren – die Asche eines jeden Tierkörpers landet wieder beim entsprechenden Begleitschein und wird dann sorgfältig von Hand verpackt in einen versiegelten Plastikbeutel, danach, je nach Wunsch der Auftraggeber in eine der diversen, zu günstigen Preisen angebotenen Urnen oder aber in ein eigenes, durch den Tiereigner überbrachtes Gefäss. Jeder Auftraggeber hat auf diese Weise die absolute Gewissheit, wirklich und wahrhaftig die Asche seines kleinen verlorenen Freundes zu erhalten und die Ethik, die jedem Lebewesen im Augenblick seines Todes, wo die Seele den Körper verlässt und der leere Körper zurückbleibt, zu gönnen ist, ist bei dieser Form der Kremation absolut gewahrt..
Herr
Casartelli offeriert uns einen Kaffee und dann füllt er in aller Ruhe den
Begleitschein für den Körper des verstorbenen Tieres aus. Da steht nicht
nur „die Tierart“ – nein, er nimmt den Namen auf, wenn bekannt, die
Rasse des verstorben Tieres, sein Geburts- und Sterbedatum, sein Gewicht,
die Adresse des Tierhalters samt Telefon – und der Tierkörper bekommt
eine fortlaufende Registrationsnummer, welche auf einer Kupfermünze
eingeprägt ist, die dann den Tierkörper in den Kremationsofen begleitet.
Diese Kupfermünze ist dann auch die Versieglung des Aschebehälters
nach der Kremation. Ein Exemplar des Begleitscheines kommt in den
Kleinbehälter, in welchem der sterbliche Körper des Tieres in den Tiefkühlraum
getragen wird, wo bereits einige verstorbene Tiere auf die Kremation
warten, das zweite Exemplar kommt in das Ablagekörbchen der Registratur
unter dem PC von Herrn Casartelli für den Eintrag in die Datenbank.
Meine Freundin darf den Körper selbst in den Kühlbehälter betten und kann so nochmals Abschied von ihrem Liebling nehmen. Sie bringt den Behälter eigenhändig in den Tiefkühlraum und stellt ihn aufs Regal neben die bereits vorhandenen Behälter. Die Ruhe, die der Leiter und Erbauer des Tierkrematoriums Duggingen, Herr Casartelli ausstrahlt, und die freundliche, ausgeglichene Atmosphäre im Empfangsraum haben meiner Freundin gut getan. Sie kann wieder ausatmen, einwenig entspannen, loslassen, den Verlust und die Trauerarbeit angehen – und sie weiss nun absolut genau, was mit dem Körper ihres Lieblinges geschieht. Sie hat Vertrauen – das gleiche Vertrauen, welches ich als „nur“ Begleiterin nun auch habe – und ich werde ganz bestimmt den Körper meines nächsten vierbeinigen Freundes, den ich loslassen muss, weil sein Leben auf dieser Erde voraussichtlich entscheidend kürzer ist, als das meine, Herrn Casartelli im Tierkrematorium Duggingen übergeben. Und, ich werde bestimmt selbst hingehen, obwohl Herr Casartelli die Tierkörper auch gegen ein wirklich geringes Entgelt beim Tierarzt abholt und dann die Urne wieder dort hinbringt!
EIN BESUCH IM TIERKREMATORIUM LOHNT SICH FÜR JEDEN TIERFREUND, denn dieser Besuch kann uns davon überzeugen, dass die Körper unserer vierbeinigen Freunde wirklich einer Einzelkremation zugeführt werden, wie wir das uns vorstellen und dass die Ethik jederzeit gewahrt ist.
Daheim angekommen, denke ich darüber nach, wie die Tierkörper der verstorbenen Tiere üblicherweise entsorgt werden. Sie kommen in eine „Sammelstelle für Tierkadaver“ (bei uns der Schlachthof), werden dann alle zusammen, Hühner, Schafe, Ziegen, Katzen, Hunde, Kühe etc. in einem „Grossshredder“ zerstückelt – danach in einer Kleinhäckselanlage gehäckselt. Danach werden die Häcksel in Grosskochtöpfen bei 133 Grad C und 3 bar Druck „gekocht“ – später getrocknet, wobei Fett und Festmasse aufgeteilt werden. Danach wird das entstandene Tiermehl eingeäschert. Früher wurde das entstandene Tiermehl an Grossvieh als Futterbeimischung verwendet – für mich ein unvorstellbarer Weg für meine vierbeinigen Freunde! Es überfällt mich ein Schauder und ich schaue hin zu den Urnen der in meinem Leben bereits verstorbenen Tiere. Früher liess ich die Körper beim Tierarzt durch Herrn Casartelli abholen – ich war zu feige, selbst den Gang ins Tierkrematorium zu tun. Doch,
nachdem, was ich bei meinem persönlichen Besuch im Tierkrematorium
erfahren durfte, ist dieser Gang für mich kein Problem mehr – im
Gegenteil, ich weiss, dass Herr Casartelli mir helfen wird, den Verlust zu
verarbeiten und ich bin dankbar, dass es Menschen wie ihn gibt! Schauen Sie sich auch den Eintrag des Tierkrematoriums selbst an – oder clicken Sie auf www.kleintier-krematorium.ch CRU/1.2004 |