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Durchfall ist nicht immer Durchfall

Jede Katze hat irgendwann einmal Durchfall, mal massiv, mal weniger massiv. Die meisten Durchfälle stammen bei Wohnungskatzen von irgendwelchen nicht bekömmlichen Dingen ab, die sie gefressen haben und die Durchfälle sind auch bald wieder vorbei.

 

Mehr und mehr aber sieht man auch in Deutschland, Schweiz, Frankreich, Oesterreich den durch bislang wenig bekannte, früher nur in den südlichen Ländern vorkommende Darmparasiten, genannt GIARDIEN, hervorgerufenen Durchfall. Die „angenehm“ gelbliche Farbe und ein unverkennbarer Geruch, leicht süsslich, dazu die etwas schleimige Konsistenz des Stuhls kennzeichnen den Befall mit Giardien. Die durch sie hervorgerufenen Durchfälle sind sehr schwer bekämpfbar, kennt man die Durchfallverursacher nicht, und wenige Tierärzte denken bei Durchfällen gleich an Giardien. Die Durchfälle sind sehr heftig, es kann vorkommen, dass dauernd gelblicher Stuhl aus dem After des betroffenen Tieres tropft!

Bei schweren Durchfällen ist ohnehin ein Kottest notwendig und der Tierhalter sollte in jedem Falle seinen Tierarzt auf Giardien aufmerksam machen, da der TA nicht automatisch einen Test auf diesen Parasiten durchführt.

In den meisten Fällen werden die betroffenen Tiere die Giardien „von selber“ wieder los, d.h., sie sind plötzlich nicht mehr nachweisbar, genau so plötzlich, wie sie gekommen sind.

Doch Vorsicht ist geboten bei empfindlichen Tieren, trächtigen Tieren, Katzen mit bekannter Immunschwäche – speziell FIV. Diese dehydrieren mit dem Durchfall, der sich im Uebrigen von der Farbe her direkt mit dem bekannten Katzenseuche-Durchfall vergleichen lässt, sehr schnell, das heisst, es kommt zu einer raschen Austrocknung, der man nur mit sofortigen Infusionen begegnen kann. Es gibt Fälle, wo ein Tier hospitalisiert werden muss, weil sich eine Intravenös-Infusion („Tropf“) aufdrängt.

Ein Befall mit Giardien ist an und für sich nicht lebensgefährlich, aber die Dehydrierung (Austrocknung) kann lebensbedrohlich werden, wenn man nicht umgehend den Tierarzt aufsucht.

Es empfiehlt sich auch, einen Kottest durchführen zu lassen, um sicher zu bestimmen, ob das betroffene Tier nicht an Katzenseuche erkrankt ist (was trotz Impfung geschehen kann, KEINE Impfung ist 100% sicher!), wobei auch bei Katzenseuche ein erwachsenes Tier nicht in Lebensgefahr schwebt, wenn man rasch die Austrocknung bekämpft.

 

Generell ist zu beobachten, dass die betroffenen Tiere zwar munter sind, gut fressen, aber sie verlieren sehr rasch an Gewicht und aus diesem Grund ist hier auch rasches Handeln angesagt. Da die gelbe Farbe des Stuhles auch eine Katzenseuche nicht ausschliesst, ist der sofortige Gang zum Tierarzt unabdingbar.

Giardien können im ELISA-Test nachgewiesen werden.

ACHTUNG: Jungtiere sind besonders gefährdet für Dehydrierungen und hier miss noch am gleichen Tag, an dem der Durchfall auftritt, der Tierarzt aufgesucht werden, da die Austrocknung bei dieser Durchfallform sehr schnell eintritt!

Das Mittel der Wahl bei Giardien heisst PANACUR, welches Medikament es in Tabletten- aber auch in Pastenform gibt. Panakur ist eigentlich ein Entwurmungsmittel, ist aber bei Giardien absolut wirksam und zeigt gegenüber anderen Medikamenten, die bei Giardien ebenfalls eingesetzt werden, kaum bis keine Nebenwirkungen. Ihr Tierarzt kann das Medikament auch beim Hersteller express bestellen, wenn er es nicht ohnehin an Lager hat.

 

ACHTUNG:

Giardien können auch beim Menschen vorkommen. Bislang waren speziell Hunde von Giardien betroffen und von diesen hat der Mensch sie übernommen. Doch ebenso gut kann der Mensch seine Giardien an seine Katzen weitergeben. Der Mensch kann Träger sein ohne an Durchfall zu erkranken. Aus diesem Grund empfiehlt sich bei einem Befall der Wohnungskatzen mit Giardien auch mit dem Hausarzt zu sprechen, welcher für die mögliche Infektion mehrere Medikamente zur hand hat, die einen Giardienbefall sicher bekämpfen.

 

Die „umgekehrte“ Infektion (Zoonose), d.h. von Katze zu Mensch, ist bislang noch nicht beobachtet worden.